Wenn Stress und Achtsamkeit nicht matchen

Achtsamkeit, ein Thema, das in vielerlei Hinsicht beschrieben wird. Doch was hat Achtsamkeit im Unternehmen zu suchen? Warum ist Achtsamkeit in aller Munde, wo kommt es her und wer befasst sich damit?


Dieser Beitrag beschreibt die Definition, Erkenntnisse aus der Praxis und Ideen zur Anwendung.


Die Definition von Achtsamkeit

Achtsam sein heisst den gegenwärtigen Moment bewertungsfrei und bewusst wahrzunehmen. Wobei „bewusst“ bedeutet, dass wir uns entscheiden, unsere Aufmerksamkeit absichtlich auf den gegenwärtigen Moment zu lenken, uns nicht ablenken zu lassen und nicht mental abzuschweifen. Der „gegenwärtige Moment“ wiederum beinhaltet auch die eigenen Gefühle, Gedanken und die Umgebung, in die wir eingebettet sind, also das ganze Spektrum des „Hier und Jetzt“. Nehmen wir diesen gegenwärtigen Moment ohne Bewertung, also bewertungsfrei, wahr, so registrieren wir zwar die Bewertungen, wie beispielsweise „das ist ein unangenehmer Moment“, gehen jedoch nicht weiter darauf ein, sondern bleiben offen für das, was der Moment sonst noch bereithält. So steigen wir aus dem „Autopilotenmodus“ aus, in dem aus Bewertungen und Gedanken automatisch Handlungen erfolgen (Kabat Zinn, 2011).


Erkenntnisse aus der Praxis

„Achtsamkeit ist in der Praxis angekommen“ – diese Aussage in einer Zeitschrift hat mich vor kurzem sehr erstaunt. Für mein Unternehmen kann ich das bestätigen, da habe ich auch selbst ein grosses Augenmerk drauf. Doch auch ich handle nicht in jeder Stresssituation achtsam. Das ist ein stetiger Lernprozess. Denn auch wenn man erkannt hat, dass Achtsamkeit sehr wertvoll ist, geht es in der Alltagshektik doch schnell wieder vergessen.


Aber wie sieht das bei anderen aus?

In der Tätigkeit als Coach und Beraterin darf ich Einblicke in verschiedene Unternehmen, Organisationen, Teams und Privatpersonen erhalten. Der Umgang mit Stress ist sehr vielfältig und das Anwendungsfeld sehr gross. In Unternehmen reagieren die Mitarbeitenden auf Druck, zu kurze Deadlines, zu hohe Ziele, zu viel Arbeit, veraltete Prozesse etc. mit Stress – vor allem dann, wenn keine abfedernden Massnahmen eingesetzt werden. Heute sehe ich noch wenige Führungskräfte, die auf die entsprechenden Mitarbeitenden eingehen. Bei Privatpersonen erlebe ich oft, dass sie den Faden nicht mehr finden oder sich in eine Situation hineinsteigern und der Gedankensalat beginnt.


Achtsamkeitsübungen gibt es unzählig viele und sind von Mensch zu Mensch verschieden. Man findet sie in der Fachliteratur, aber auch frei verfügbar im Web oder als Apps. Und doch scheinen sie die Menschen nicht (immer) zu erreichen.


Der Mensch, das Team, die Organisation brauchen Hilfsmittel und Anleitungen, wie sie in Stresssituationen gelassener reagieren können. Und die Erinnerung daran, diese Methoden auch einzusetzen, und nicht in alte Verhaltens- und Denkmuster zurückzufallen.


Das Wort „Achtsamkeit“ zu kennen allein reicht nicht aus, um auch achtsam zu sein. Es braucht noch mehr dazu.


Ein Quicktipp für Ihr Unternehmen

Aus der Praxis heraus: Was in Unternehmen gut funktioniert, ist das echte Mitgefühl von Arbeitskolleg:innen oder der Führungsperson. Mitgefühl lässt den Cortisolspiegel sinken und der Stress wird dadurch minimiert. Kann man Mitgefühl lernen? Ohja, das geht!


Wie sehen Sie das, liebe Leserin oder Leser:

Liegt es in der Eigenverantwortung des Einzelnen, Übungen für Achtsamkeit zu erlernen, oder ist die Unternehmung hier in der Pflicht?

Die etwas "anderes" weiterführende Literatur für Interessierte?

https://www.amazon.de/Achtsam-morden-Roman-Karsten-Dusse/dp/3453439686/